Tabriz und weiter zum Kaspischen Meer

Nach zwei Tagen in Urmia heisst es nun Abschied nehmen. Gegen Mittag begleitet uns Hossein noch zur Tankstelle und bis an den Stadtrand. Das macht Spass, volltanken für nicht mal zwei Euro! Der Sprit hat hier nur 85 Oktan (Embargo), aber meine Q kommt einigermassen damit zurecht. Heute bekommen wir zum erstenmal den riesigen Salzsee zu sehen. Etwa in der Mitte führt eine Strasse über einen langen Damm rüber, so dass wir keinen riesigen Umweg fahren müssen. Es geht weiter durch die Berge und nach etwa 160 km erreichen wir Tabriz. Der riesige Stau wird vermutlich durch zwei Unfälle verursacht, aber auf 6-8 virtuellen Fahrspuren drängelt man sich irgendwie durch. Ich fühle mich fast wie auf der A8… Schliesslich erreichen wir die Innenstadt und die Universität. Hier weiss man nichts von Camping, schickt uns aber in einen anderen Park. Noch einmal fragen und wir haben die richtige Info. Es gibt tatsächlich einen „Visitor Park“, in dem man kostenlos campen darf, geschafft. Kein Hotel-Stress, keine Parkplatzprobleme. Camping auf iranisch: Die Zelte werden grundsätzlich auf dem Parkplatz oder auf kleinen Steinpodesten errichtet, bloss nicht auf der Wiese. Für uns macht man eine Ausnahme, die morgendliche Bewässerung wird in unserem Bereich kurzerhand verschoben. Nachts um zwölf bekomme ich Besuch am Zelt. Ich schlafe schon fast, als der Wärter mit drei hübschen Mädels im Schlepptau kommt. Sie müssen am nächsten Morgen früh los und wollen sich unbedingt noch mit mir unterhalten. Sarah kommt aus Mehran nahe der irakischen Grenze und spricht
perfekt Englisch. Es sind immer die gleichen Themen: Beschränkungen im Iran, Reisen, etwas Politik, Familie, wie ist das bei euch in Deutschland usw.

Montag, 10.6.

Heute ist bikefreier Tag und wir erkunden ein wenig die Stadt. Am Anfang mit einem Angestellten vom Camp, der Philosophie studiert und uns seine Stadt zeigen will. Allerdings lebte er lange in Istanbul und hat neben dem iranischen auch einen türkischen Pass. Leider kennt er seine Stadt doch nicht mehr so gut und einiges läuft nicht so perfekt. Und er redet wie ein Wasserfall. Wir sind froh, nach der blauen Moschee den Basar ohne ihn besuchen zu können. Busfahren ist sehr günstig, eine Strecke in der Stadt kostet nur 2000 IRR, das sind etwa fünf Cent. Frauen und Männer warten und fahren natürlich getrennt, es gibt hinten im Bus eine Abteilung nur für Frauen. Zurück im Camp lernen wir Nakisa, eine 22-jährige Studentin und ihre Eltern kennen. Natürlich werden wir nach wenigen Sätzen schon nach Hause (Hamedan) eingeladen. Vielleicht können wir das in unsere Route einplanen. Abends gehe ich nochmal allein los und finde einen Hähnchengrill, wo ich sehr lecker esse. Dazu gibt es heute Holsten Bier, natürlich nur Lemon und ohne Alkohol. Aber das Beste: Der Besitzer lädt mich ein, beim besten Willen darf ich kein Geld zahlen. Das passiert uns mittlerweile öfters.

Dienstag, 11.6.

Nach Frühstück im Camp und einem kurzen Stop im Elgoli-Park geht es nun weiter an die Küste zum kaspischen Meer. Wir umfahren Ardabil und folgen der Schnellstrasse zur aserbaijanischen Grenze. Die Strasse wird kleiner, kurviger und geht nun entlang der mit Stacheldrahtzaun gesicherten Grenze bergab bis zum Meer. Die Temperatur steigt in kurzer Zeit von 17 auf 30 Grad. Von Astara folgen wir dem Küstenverlauf bis in den kleinen Ort Lisar. Wir machen einen spontanen Abstecher zum Strand und überlegen, wo und wie wir übernachten wollen. Das Zauberwort aus dem Lonely Planet lautet „otagh“ und bedeutet Zimmer.
Gemeint sind Privatzimmer oder Suiten, die an Feriengäste günstig vermietet werden. Erster Versuch gleich ein Treffer. Vor einer Backstube sprechen wir jemand an, der uns sogleich mit seinem Motorrad zum Haus seiner Eltern führt. Das kleine Appartement mit Dusche und Küche kostet 90.000 IR, also keine 2 Euro für uns beide! Wir schlafen auf Teppichen und unseren Luftmatratzen im Schlafsack. Im Ort finden wir nach etwas Fragen ein Internetcafe (mehr eine Spielhölle für Kids) und bekommen mit Hilfe des telefonisch herbeigerufenen Chefs auch mein Notebook per Kabel ins Internet. DHCP Fehlanzeige. Anschliessend sind wir noch die Stargäste auf einer lokalen Wahlkampfveranstaltung und auch beim Kebabspiess findet sich sofort neugieriges Publikum ein. Wir fühlen uns ein wenig wie auf einer Pressekonferenz. So, jetzt die letzte Frage bitte… Ein netter älterer Herr bezahlt die Rechnung, ein anderer macht den Dolmetscher. Wir werden auch mehrfach gefragt, wo wir denn übernachten und jeder bietet sein Haus dafür an. Gastfreundschaft könnte grösser nicht sein.