Friaul und Dolomiten

geile Kurven

Höchste Zeit mal wieder für eine Strassentour in den Alpen. Also kurzerhand zwei Tage Urlaub genommen, mit Andreas zusammen das Ziel festgelegt und die Klamotten gepackt. Für vier Tage braucht man ja nicht wirklich viel. Praktisch ist, das ich die komplette Route schon in 2019 geplant hatte, wir aber aufgrund schlechten Wetters doch nach Frankreich gefahren sind (Jura Vercors Tour). Ob es diesmal passt? Die ganze Woche zuvor hing ein massives Regengebiet über dem Alpenraum fest und rührte sich nicht von der Stelle. Mittwoch nachmittag war an losfahren noch nicht zu denken, aber ab Donnerstag sieht es dann schon viel besser aus.

TAG EINS. Von Stuttgart geht’s über die A8 bis Augsburg, dann über Landstrassen weiter über Garmisch, Innsbruck und über den Brenner. In Österreich gibts nochmal billigen Sprit. Die Brenner Staatsstrasse ist heute herrlich leer und macht richtig Spass. Kurz vor dem Abzweig ins Pustertal treffen wir Karel aus Tschechien an einer Ampel, wechseln zwei, drei Sätze und fahren zusammen weiter. Schliesslich beenden wir gemeinsam den heutigen Tag am Campingplatz Ansitz Wildberg in San Lorenzo. Brutal voll hier, die Wohnmobile stehen dicht an dicht wie auf einem Parkplatz. Warum macht man das? Wir bekommen noch einen Platz auf der Zeltwiese, wo nur etwas kleinere Fahrzeuge stehen.

Es sind nur ein paar Minuten zu Fuß bis zum Dorfzentrum, wo wir den Tag bei Pizza und Bier in der Alten Post ausklingen lassen. Karel wird am Freitag den Heimweg antreten und wir fahren weiter ins Friaul rein, wo es hoffentlich weniger touristisch zugeht.

kurz vor dem Abzweig ins Fischleintal
bei Sexten

TAG ZWEI. Über die SS49 geht es vorbei an Bruneck weiter bis Innichen. Der absolute Wahnsinn, was hier los ist. Stau überall, besonders in den Tunneln ist das ätzend. Teilweise überhole ich sogar da, was ich eigentlich sonst nicht mache. Okay, es sind fast überall Sommerferien, aber so macht das keinen Spass. Nach dem Abzweig auf die SS 52 wird es dann hinter Sexten aber deutlich besser. Wir fahren über den Kreuzbergpass weiter und schon bald kommt das erste Highlight des Tages, das Andreas leider verpasst. So ist das, wenn man die Route nicht kennt, vorausfährt und die Abzweigung verpasst. Die kleinen Kurvenstrassen nach Sant Antonio, Danta, Costalissoio und Costalta sind der Hammer.

bei Costalissoio

In Comeglians machen wir gemeinsam Mittagspause in einem Gasthof, um uns vor dem zweiten Highligt des Tages nochmal zu stärken. Es geht nun auf die Panoramica delle Vette, eine kleine Strasse durch die Bergwelt von Comeglians nach Ravascletto. Die kurvige Auf- und Abfahrt ist mittlerweile asphaltiert, aber der obere Bereich ist noch die ursprüngliche Schotterpiste. Wir haben Glück und kommen ohne Baustellensperrungen durch, was hier wohl nicht immer gelingt. Oben gibt es herrliche Ausblicke und wir geniessen diesen kleinen Abstecher.

Auffahrt von Comeglians aus
Auffahrt von Comeglians aus
Panoramica delle Vette
Panoramica delle Vette

Es ist mittlerweile schon nachmittag und wir wollen noch ein paar Kilometer auf der Route machen. Es geht weiter über Tolmezzo und dann wieder kleinere Strassen. Hier oben in den Bergen sind wir quasi am Südende der Alpen und haben einen weiten Blick über die Ebene, wo der wahnsinnig breite Tagliamento in Richtung Meer irgendwo am Horizont verschwindet. Nach dem Ort Vito d’Asio haben wir genug und schaun mal nach einer Unterkunft. Der nächste Campingplatz wäre noch ca. 50 km. Ich erinnere mich ein ein Schild für ein Agriturismo im letzten Ort. Also schaun wir uns das mal an. Eine kleine, steile Strasse führt doch hoch und wir finden ein weitläufiges Gelände mit Restaurant, Pool, vielen Wiesen und wohl auch einigen Tieren.

Agriturismo  Fattoria Carolina
Agriturismo Fattoria Carolina

Hier ist endlich mal Platz zum Zelten. Außer uns ist nur eine holländische Familie mit Wohnmobil hier, sonst nur einige lokale Gäste im Restaurant. Auch wir verbringen hier bei hervorragendem Essen den Abend. Die hohe Rechnung ist kein Problem, da das Camping hier schliesslich nichts kostet. Nachts gibt es voll den Wolkenbruch, aber mein Zelt hält wie immer dicht.

TAG DREI. Andreas fährt wie meistens vor mir los, da er sein eigenes Tempo und Fahrstil hat. Treffpunkt ist Ampezzo. Ich nehme mir Zeit, um in Ruhe meinen Kram zu packen und das Zelt in der Morgensonne zu trocknen. Um halb zehn geht es dann auch los über kleinste Straßen. Der Regen von der Nacht ist vergessen, nur die Strassen sind teilweise noch recht nass. Vorbei an der Grotte di Pradis und dem Lago di Redona geht es weiter zum Passo Rest. REichtig geile Strecke mit vielen Rennradfahrern. Auf der anderen Seite geht es runter ins Tal des Tagliamento und weiter bis Ampezzo. Hier treffe ich Andreas an der Tankstelle und wir machen anschliessend am Dorfplatz noch Rast.

Richtig toll wird die Strecke später wieder, als wir auf die SP 347 nach Bragarezza abzweigen. Über kleine Orte, deren Namen ich noch nie gehört habe, gelangen wir schliesslich von Süden kommend zum Passo Falzarego.

Falzarego
Falzarego

Auf dem Falzarego biegen wir nach Nordwesten ab. Kleine Strassen führen über Stern, St. Martin und St. Andrä bis runter nach Brixen. Hier ist es wieder deutlich wärmer und wir checken beim Hotel Löwenhof auf dem Campingplatz ein. Auch hier ist es megavoll, aber wir bekommen noch zwei kleine Plätzchen für unsere Zelte. Echtes Kuschelcamping. Aber wir haben nette Nachbarn und niemand schnarcht. Am Abend fängt es wieder an, zu regnen. Abendessen gibts auf der Terrasse des Hotels unter einem großen Schirm.

TAG VIER. Am Morgen hört der Regen tatsächlich auf. Wir brechen auf zum Heimweg, heute wird es nichts spektakuläres mehr geben. Zurück über den Brenner nach Innsbruck, wo sich unsere Wege trennen. Ich trockne im Inntal bei strammen Ostwind erstmal mein klatschnasses Zelt, bevor es über den Fernpass weitergeht. Ich wusste, dass die Baustelle am Wochenende nicht aktiv ist. Womit ich nicht gerechnet habe, dass die Idioten alle ausgerechnet oben auf dem Pass tanken müssen. Die Warteschlange steht bis auf die Strasse und verursacht einen kilometerlangen Rückstau. Als Autofahrer hätte ich echt gekotzt. Ich tanke kurz vor der Grenze auch und fahre dann über die A7 und A8 nach Hause, wo mich schon ein leckeres Essen erwartet!

Unsere Route, zum Vergrößern anklicken

Agriturismo Fattoria Carolina:  33090 Vito d’Asio, Localita Mont 5, Tel. +39 333 450 3426

Panoramica delle Vette: Info

Tourlänge: 1486 km

Benzinverbrauch: 4,6 Liter / 100 km